Kann Mundspülung schaden? Warum sie uns schlapp und unsere Blutgefäße krank machen kann.

Zuerst einmal muss man unterscheiden zwischen Mundspülung und Mundwasser. Mundwässer sind unproblematisch und in erster Linie dazu gedacht, den Atem kurzfristig zu erfrischen. Sie enthalten meist ätherische Öle wie Pfefferminz oder Menthol. Antibakterielle Mundspüllösungen dagegen versprechen eine Wirkung gegen Karies, Zahnfleischentzündung und schlechten Atem. Am besten täglich sollten sie angewendet werden und bis zu 99% der Bakterien beseitigen, auch an schlecht zugänglichen Stellen. Klingt doch gut, oder? Leider hat die Sache einen Haken: Mundspülungen tun wirklich, was sie sollen. Sie beseitigen die Bakterien in unserem Mund. Alle. Und genau das ist das Problem.

Von guten und schlechten Bakterien

Du hast es sicher schon mal gehört: Auf unserem Körper und in unserem Verdauungssystem tummeln sind zig Millionen Bakterien. Die sitzen da nicht einfach nur herum, sondern haben durchaus wichtige Aufgaben. Zum Beispiel zerlegen sie für uns Nahrungsbestandteile, an die wir sonst nicht herankommen würden. Oder sie sind einfach nur da und besetzen so den Platz, damit sich keine schädlichen Bakterien ansiedeln können. Die Wissenschaft forscht fleißig an unserer Bakterienbesiedelung und findet immer wieder interessante und überraschende Aufgaben die diese kleinen Wesen für uns erledigen. Und auch in unserem Mund gibt es nicht nur die unerwünschten Kariesbakterien sondern auch viele, viele „gute“ Bakterien. Diese bilden unsere natürliche Mundflora. Ein komplett bakterienfreier Mund ist also gar nicht das, was wir uns wünschen sollten.

Achtung: Kein NO ohne Bakterien!

Nitrat-NitritkreislaufEine Art von Bakterien in unserem Mund ist in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt gerückt: jene, die das über Gemüse aufgenommene Nitrat verstoffwechseln. Wir wissen mittlerweile, wenn wir nitratreiches Gemüse essen, wird die Verfügbarkeit von NO, also nitric oxide, für die nächste Zeit verbessert. Was NO ist und wozu wir es brauchen, weißt du sicher schon. (Ansonsten kannst du es hier nachlesen.) So wird zum Beispiel Bluthochdruck gesenkt, die Leistungsfähigkeit bei Sportlern gesteigert und die gesamte Sauerstoffversorgung im Körper verbessert. Eine tolle Sache also! Nun fanden Forscher außerdem heraus, dass all diese positiven Effekte NICHT auftraten, wenn antibakterielle Mundspülung verwendet wurde. Weniger gut. Haben wir zu wenig NO zur Verfügung, bleiben die Blutgefäße eng, der Blutdruck steigt und die Leistungsfähigkeit ist im Keller, weil unsere Zellen einfach nicht mehr gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können.

Und der Grund für das Ganze ist, dass das über die Nahrung aufgenommene Nitrat über die im Mund lebenden Bakterien erst einmal umgewandelt werden muss, damit wir es selbst nutzen können. Erst dann können wir daraus bei Bedarf NO herstellen. Wie das genau funktioniert, kannst du hier nachlesen.

Welche Alternativen es gibt

Die wichtigste Maßnahme bei der Zahnpflege ist das mehrmals tägliche Zähneputzen und das Reinigen der Zahnzwischenräume! Das kann ohnehin keine Mundspülung ersetzen. Kosmetische Mundwässer für frischen Atem ergänzen diese Zahnpflege, wenn man das gerne mag und verträgt. Ansonsten gibt es keinen Grund, nicht einfach auf die antibakteriellen Mundspülungen zu verzichten. Ausnahme wäre, sie wurde vom Zahnarzt gezielt verschrieben. Achte auf diese Inhaltsstoffe, sie solltest du vermeiden: Chlorhexidin, CPC (Cetylpyridiniumchlorid), Triclosan und Natriumbenzoat.

Eine interessante Alternative um die Zahnpflege zu ergänzen ist das Ölziehen. Diese ursprünglich ayurvedische Praktik hat bei uns mittlerweile viele begeisterte Anhänger gefunden. Die Anwendung ist denkbar einfach – eine kleine Menge Öl wird morgens vor dem Zähneputzen in den Mund genommen und dort bis zu 20 min lang hin und her bewegt, durchgekaut, durch die Zähne gesogen und gespült. Langfristig angewendet soll das Ölziehen die natürliche Mundflora stärken, die Zähne weißer machen und das Zahnfleisch pflegen. Geeignet sind hochwertige kaltgepresste Pflanzenöle, zum Beispiel Kokosöl, Sonnenblumenöl, Leinöl oder Olivenöl. Einen Überblick zum Ölziehen gibt es z.B. in diesem Artikel. Gegen leichte Entzündungen beim Zahnfleisch gibt es außerdem die Möglichkeit mit Pflanzenextrakten zu spülen. In der Pflanzenheilkunde gibt es zahlreiche Heilpflanzen, die man auch im Mund anwenden kann. Hierzu zählen zum Beispiel Salbei, Ratanhia, Kamille, Myrrhe, Teebaum- und Nelkenöl, oder auch eine einfache Meersalzlösung kann hier helfen.

Mundspülungen können also durch ihre desinfizierende Wirkung die natürliche Mundflora angreifen. Je nach Inhaltsstoffen und der Regelmäßigkeit der Anwendung kann das bedeuten, dass die guten Bakterien soweit reduziert werden, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können – zum Beispiel Gemüsenitrat so aufbereiten, dass wir es für die NO-Versorgung nutzen können. Ohne diese Bakterien können wir die Vorteile einer nitratreichen Gemüseernährung gar nicht nutzen! Das bedeutet  kein Schutz der Gefäße, keine Reduzierung von Bluthochdruck, keine Ausdauersteigerung im Sport wenn du Rote Bete oder Blattgemüse isst, man fühlt sich schlapp und nicht leistungsfähig. Daher – verzichte besser auf diese Spülungen, achte auf eine gute Zahnreinigung und setze auf pflanzliche Alternativen. Dein Körper wird es dir danken!

Gesunde Zähne

Petterson et al: Gastroprotective and blood pressure lowering effects of dietary nitrate are abolished by an antiseptic mouthwash, 2009.

Bondonno et al: Antibacterial mouthwash blunts oral nitrate reduction and increases blood pressure in treated hypertensive men and women, 2015.

Woessner et al: A stepwise reduction in plasma and salivary nitrite with increasing strengths of mouthwash following a dietary nitrate load, 2016.

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